Kritik zu "Auslese (Best of)"

Klein & Kunst Online, 01.11.2006
Nach Mike Supancic’s fulminanter Wien-Premiere im Niedermair reichte man Süßwein vom Kracher, und zwar die Auslese mit der Nummer 4 - für alle die Krachers durchnummeriertes Süßweinprogramm kennen.

Davor - ein zweistündiges Feuerwerk aus allerfeinsten Musikparodien, schwarzhumoristischen Politwatschen und köstlicher Typenmelange, sorgfältig verdichtet aus den Supancic-Programmen vorwiegend der letzten zehn Jahre und gleichzeitig beeindruckendes Zeugnis dafür, welch kabarettistische Highlights uns der gebürtige Kapfenberger bis dato geliefert hatte.

Obgleich bei der Wien-Premiere ein Gutteil des Publikums definitiv neu im illustren Supancic-Fanclub war, quittierte es Mikes Pointeninferno oftmals mit Schreikrämpfen vor Wonne - anfänglicher noch etwas zaghaft, gegen Ende zu bereits völlig enthemmt. Signifikante Aussage eines neben mir pfeifenden, johlenden, mit den goisererbeschuhten Füßen vor sich hinsteppenden jungen Mannes: "Der is jo echt a Waunsinn!"

Spätestens dann wurde auch uns "alten Supancic-Hasen", die wir ihn nun doch schon weit über ein Jahrzehnt begleiten, wieder einmal so richtig bewusst, welche Sonderstellung er im gesamten Kabarettzirkus deutschsprachiger Zunge hat. Wobei sogar das noch untertrieben scheint, denn da sein Hauptfokus auf seine unnachahmliche und für "normale" Kabarettisten weit entfernte Musikalität gerichtet ist, bedient Supancic automatisch weltweite Humorschienen en gros und en detail.

Wenn einer wie er von früher erzählt, als er noch auf der legendären Fußgängerzonen-Welttournee Rolling Stones-Hits zum besten gab - als Mick Jagger ohne Text, dann ist das ganz einfach witzig, und zwar überall.

Selbstverständlich ist man als Involvierter des deutschsprachigen, und hier wiederum des österreichischen Kulturkreises mit hoher Affinität zu dielektgesteuertem Lokalkolorit unweigerlich im Vorteil, wenn es darum geht, den oftmals ziemlich schräg daherkommenden, aber stets wohlgeschliffenem Textgut Supanic’s folgen zu können. Und wenn man natürlich die Typen - Promis genau so wie Jedermänner - kennt und sich an deren grandiosen Verarschungsriten weiden darf.

So gab es also ein Wiederhören mit Elvis Presley samt Schreikrämpfen bei "Hobt’s es ausgsteckt heut Nocht?", mit all den prominenten Donauland-Vertretern, mit Canditula, dem Killergugelhupf (stark verdichtet), mit dem Jazz-Klatsch-Lied und dem wohl nur sehr schwer zu überbietenden "Deitschlehrer aus Murau".

Supancic schwebt vogelgleich durch alle Musikrichtungen und Tonhöhen, beeindruckt nicht nur durch bereits erwähnte Gagdichte, sondern auch durch stimmliche Souveränität und sein enormes Volumen. Da sitzt jeder Ton, egal ob Klaus Nomi-like im Countertenorbereich oder ganz tief unten à la Louis Armstrong. Und seine musikalischen Ausflüge auf diverse Karibikinseln oder ins tiefste Afrika sind ja ohnehin bereits legendär.

Nach wie vor eine seiner großartigsten Nummern, wenn auch die mit Abstand schrägste, platzierte Supancic auch diesmal wieder am Ende der ersten Halbzeit: Helge Schneider als Parodist von Hans Moser, einem Komodo-Waran, einem Petersfisch und einer zwanzigminütigen Pause. Einfach genial.

Darüber hinaus können Sie sich auf den Kärntner Ku-Klux-Klan freuen, auf die legendäre Bahnfahrt mit Grönemeyer, Assinger und DJ Ötzi, auf die Entstehung des Disco-Sounds, auf den Ödipus-Komplex-Rap und das Truckerlied. Wobei sich Mike Supancic im zweiten Teil gar nicht mehr die Mühe macht die Gitarre abzuschnallen, er weiß nur zu gut, dass er primär mit "Liederlichem" punktet. Mit dem Benefiz-Medley der Austro-Popstars für Schönbrunn zum Beispiel, oder mit dem Lagerhaus-Reggae, dem irischen Folksong rund um die sexuellen Neigungen von O’Leary, dem Rassenhass-Lied zum Mitschunkeln und einem der schönsten, stimmungsvollsten und schmerzhaftesten Songs der gesamten Kabarettszene - "A schena Moagn im zehntn Bezirk".

Und: Sie können eine wunderbar komprimierte Version des steirischen Westerns aus Edelschrott sehen, wo Supancic als Darsteller von gleichzeitig fünf Charakteren brilliert und einmal mehr eine grandiose Symbiose aus hoher Schauspielkunst, grenzgenialer Dramaturgie und stimmlicher Perfektion abliefert.

Und zum Schluß analysiert dem Ganzen das Herbert Prohaska mid einem rhetorischen Leichtigkeit, dass man unweigerlich in das Knien verfällt: Dem Kabarett muß man nehmen wie er kommt.

Genau so ist es. Und jetzt ist Auslese. Punkt.

Willy Zwerger

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"Ein Pointeninferno. Schreikrämpfe vor Wonne"
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